Knappe Kassen und wichtige Investitionen – Christian Pospischil im Gespräch

Bürgermeister besucht LokalPlus-Redaktion


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Bürgermeister Christian Pospischil im Gespräch mit LP-Geschäftsführer Christof Sieler, LP-Redaktionsleiter Wolfgang Schneider und Volontärin Jana Becker. von Nils Dinkel
Bürgermeister Christian Pospischil im Gespräch mit LP-Geschäftsführer Christof Sieler, LP-Redaktionsleiter Wolfgang Schneider und Volontärin Jana Becker. © Nils Dinkel

Attendorn/Altenhundem. Es ist ein Besuch, der Tradition hat: Zum Jahresbeginn besucht Attendorns Bürgermeister Christian Pospischil (SPD) die LokalPlus-Redaktion in Altenhundem. Mit Redaktionsleiter Wolfgang Schneider und Volontärin Jana Becker hat er am Mittwoch, 21. Januar, über Themen gesprochen, die die Menschen in Attendorn aktuell bewegen.


Allen voran die angespannte Haushaltslage. Christian Pospischil hatte in seiner Haushaltsrede selbst die „finanzielle Zeitenwende 2.0“ ausgerufen. Auf die Frage, was Attendorn finanziell noch stemmen könne, findet er klare Worte: „Die Aussichten sind nicht positiv.“

Durch die exorbitante Kreisumlage 67,3 Millionen Euro seien eigene Sparanstrengungen unabdingbar, aber nicht ausreichend.

Schulen haben Priorität

Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen der Attendorner Schulen waren trotz der finanziell angespannten Lage ein Schwerpunkt der Haushaltsplanung. „Das wollen wir angehen, denn wir müssen die Schulen neu aufstellen“, so Pospischil. Nicht zuletzt auch wegen des neuen gesetzlichen Anspruchs auf Offene Ganztagsbetreuung (OGS), der sich vor allem an den Grundschulen bemerkbar mache.

Als konkrete Projekte zählte er den Umzug der Sonnenschule in das gekaufte Konvikt auf. Aufgrund des OGS-Ausbaus ist die Schule auf mehr Platz angewiesen. Gleiches gilt für die Grundschule Ennest.

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Bürgermeister Christian Pospischil im Gespräch mit LP-Geschäftsführer Christof Sieler, LP-Redaktionsleiter Wolfgang Schneider und Volontärin Jana Becker.

Das Rivius Gymnasium soll dann die Gebäude der Sonnenschule übernehmen, sollte die Sonnenschule umziehen. Auch die Attandarra Schule erhält neben kleineren Baumaßnahmen eine größere Mensa und die Hansaschule bekommt ebenfalls neue und moderne Räume.

Wie steht's um die Feuerwehrhäuser?

Als sehr wichtige Investition neben den Schulen sieht Attendorns Bürgermeister den Brandschutz. Das neue Feuerwehrhaus Ihnetal rückt mittlerweile in greifbare Nähe, dort konnten die Arbeiten kürzlich beginnen.

Die Schwierigkeit bestand anfänglich darin, die umliegenden Grundstücke des bestehenden Feuerwehrgeländes in Papiermühle zu erschließen. Das bisherige Feuerwehrhaus und die Obdachlosenunterkunft, für die ein neuer Standort in der Innenstadt gefunden wurde, werden abgerissen. Das Salzlager soll erst im zweiten Bauabschnitt verlagert und dann abgerissen werden.

Das Platzkontingent im Feuerwehrhaus Attendorn ist erschöpft. von Nicole Voss
Das Platzkontingent im Feuerwehrhaus Attendorn ist erschöpft. © Nicole Voss

Die Modernisierung des Feuerwehrhauses in Attendorn sei wegen der schwierigen Planung und der vielfältigen Nutzung des Geländes noch nicht so weit fortgeschritten. „Wir können hier keine OP am offenen Herzen machen, die Feuerwehr muss handlungsfähig bleiben“, bringt es Christian Pospischil auf den Punkt. „Die Grundstückfläche reicht aus, aber es können nicht alle dort bleiben. Es sollen aber mit allen bisherigen Nutzern Zukunftsperspektiven einvernehmlich erarbeitet werden.“

Ein anderer Feuerwehrstandort sei kaum zu finden: „Man muss ja auch die Ausrückzeiten beachten. Da eignet sich nur eine zentrale Lage im Stadtkern und dort sind die Alternativen überschaubar.“

Der Raiffeisen-Markt in Attendorn. von Hansestadt Attendorn
Der Raiffeisen-Markt in Attendorn. © Hansestadt Attendorn

Ein Thema beschäftigt Attendorn seit Herbst 2025 - der Raiffeisen-Markt. Die Bauaufsicht des Kreises Olpe hat die Verkaufsfläche im Obergeschoss schließen lassen. Denn von etwa 3.500 Quadratmetern Verkaufsfläche sind nur rund 2.000 Quadratmeter genehmigt.

Man müsse sich an Recht und Gesetz halten, das habe die Raiffeisen-Genossenschaft jahrelang nicht gemacht, beurteilt Christian Pospischil die Situation. „Wir konnten nicht weiter tatenlos zusehen. Es gab berechtigte Beschwerden von Einzelhändlern aus der Innenstadt“, erklärt er.

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Die Thematik sei bereits vor fünf Jahren aufgekommen und seitdem habe es Gespräche zwischen Stadtverwaltung und Raiffeisen gegeben – ohne Erfolg. Christian Pospischil: „Die rechtliche Situation wird ignoriert. Es darf nun mal nur auf genehmigten Flächen verkauft werden und auch dort nur am Standort zulässige Sortimente.“

Fernholte, Innenstadt und Glasfaser

Um die Arbeiten an den Hoesch-Hallen zu beginnen, warte man noch auf die Ergebnisse verschiedener Gutachten. Fortschritte macht das neue Gewerbe- und Industriegebiet Fernholte/Eckenbach. Die Erdarbeiten haben im April 2025 begonnen und sollen in diesem Jahr abgeschlossen werden. Ab 2027 sollen die Flächen vermarktet werden.

Auch die Umsetzung des Innenstadtentwicklungskonzept sei nahezu abgeschlossen. Die letzte Baumaßnahme werde die Umgestaltung und Aufwertung des Schüldernhofs zum Stadtgarten sein, die Zeit der Verkehrsbehinderungen auf den Hauptstraßen sei aber vorbei, so Pospischil.

So sieht der Entwurf für die Aufwertung der Grünanlage „Schüldernhof“ aus. von B.S.L. Landschaftsarchitekten
So sieht der Entwurf für die Aufwertung der Grünanlage „Schüldernhof“ aus. © B.S.L. Landschaftsarchitekten

Der Glasfaserausbau schreite zwar nicht so schnell wie erhofft voran, doch die Fortschritte seien unübersehbar, berichtet Christian Pospischil. Die Schulen, die Gewerbebiete und der Innenstadtbereich seien bereits ans Glasfasernetz angebunden. Der Fokus liege aktuell auf der Erschließung von Schwalbenohl, Ennest und den Gebieten nördlich der Innenstadt.

Beim geplanten Bürgerwindpark musste die Hansestadt Attendorn einen kleinen Rückschlag hinnehmen. Zwar liegt schon eine Baugenehmigung vor, aber das Projekt hat keinen Zuschlag der Bundesnetzagentur bekommen. Man werde es aber weiter versuchen, so Pospischil. „Der Windpark könnte allein 55 Prozent des Attendorner Strombedarfs decken. Das wäre ein großer Schritt in Richtung Klimaneutralität.“

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