Gleich drei Fälle aus dem Kreis Olpe landen im Schwarzbuch der Steuerzahler

Einmal Attendorn, zweimal Olpe


  • Attendorn, 01.10.2026
  • Politik
  • Von Wolfgang Schneider
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Die Hoesch-Hallen in Attendorn sind im Schwarzbuch gelandet. von Nils Dinkel
Die Hoesch-Hallen in Attendorn sind im Schwarzbuch gelandet. © Nils Dinkel

Attendorn/Olpe. Alljährlich gibt der Bund der Steuerzahler sein bekanntes Schwarzbuch heraus. Die neueste Ausgabe „Das Schwarzbuch – Die öffentliche Verschwendung 2026/27“ ist am Donnerstag, 1. Oktober, erschienen. Darin werden 100 Fälle vorgestellt, bei denen die öffentliche Hand viele Millionen Euro in den Sand gesetzt hat. Mit dabei sind gleich drei Fälle aus dem Kreis Olpe.


Unter dem Titel „Teure Hallen zum Abriss – Hoesch-Areal in Attendorn: hoher Preis, unklare Perspektive nach Abriss“ kritisiert der Bund der Steuerzahler ein Grundstücksgeschäft der Stadt. Er schreibt: „Im November 2022 erwarb die Stadt das Grundstück mit den Hallen. Im Jahresabschluss 2023 der Stadt sind Kosten für den Neuerwerb von Industriehallen in Höhe von 11,3 Mio. Euro aufgeführt. Dies bedeutet einen Quadratmeterpreis von 598 Euro – und das bei einem Bodenrichtwert von lediglich 55 Euro!

Attendorn entschied sich für den Erwerb des Areals, um dort einen ,Bigge-Campus' zu errichten. Doch die Idee wird nun woanders umgesetzt. Für das Gelände der Hoesch-Hallen gibt es bisher keinen neuen Plan. Die darauf stehenden großen Hallen werden zu noch unbekannten Kosten abgerissen. Klar ist: Das wird wieder teuer. Unklar ist dagegen, ob der Boden belastet ist. Schließlich hat Hoesch dort viele Jahre Stahl produziert.

Beigeordneten-Abwahl

Olpe taucht im Schwarzbuch gleich zweimal auf. Einmal geht es unter der Überschrift „Vorzeitig abgewählt – teuer bezahlt“ um die Abwahl der technischen Beigeordneten Judith Feldner im Juli 2025. Dabei war sie erst im August 2024 für acht Jahre wiedergewählt worden.

Der Bund der Steuerzahler dazu: „Um ihre hohen Versorgungsansprüche zu decken, musste die Stadt Olpe Pensions- und Beihilferückstellungen in Höhe von rund 660.000 Euro aufbringen. Viel Geld für eine Kommune, die eigentlich sparen muss. Leider sind Fälle wie in Olpe keine Seltenheit. Das vorzeitige Beenden von Verträgen oder vorzeitige Abberufungen von Wahlbeamten wird für die Steuerzahler immer wieder teuer.

Millionen-Verlust mit der „Olper Hütte“

Dritter im Schwarzbuch gelisteter heimischer Fall ist das gescheiterte Projekt „Olper Hütte“. Dazu heißt es: Im Jahr 2020 kaufte die Stadt Olpe für 850.000 Euro plus rund 60.000 Euro Nebenkosten ein gut 8.600 Quadratmeter großes Grundstück inkl. Gebäude; wissend um Altlasten im Boden und Leitungsrechte des Nachbarn.

Mit dem Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, gründete die Stadt 2022 gemeinsam mit der Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden und einer Immobilienentwicklungsgesellschaft die Quartiersgenossenschaft „Olper Hütte“. Die Genossenschaft übernahm als Bauherrin die Koordination und die Beauftragung des Rückbaus sowie die Vergabe der Projektsteuerungs- und Planungsleistungen für die Wohngebäude und für die Erschließung.

Verlust von 2,2 Millionen Euro

Die Genossenschaft beantragte zudem Fördermittel des Landes, die auch bewilligt wurden. Der Förderbescheid verlangte allerdings eine kommunale Bürgschaft der Stadt. Mit der möglichen Haftung für das quasi eigene Bauprojekt hatte die Stadt aber nicht gerechnet. Nach Spannungen innerhalb der Genossenschaft wurde diese schließlich aufgelöst und das Grundstück zu dem Betrag verkauft, den die Stadt zuvor bezahlt hatte – jetzt allerdings in baureifem Zustand.

Dabei waren der Genossenschaft bereits erhebliche Kosten entstanden: Allein für den Abriss schlugen 910.000 Euro zu Buche, die Planungskosten für die beabsichtigten Wohngebäude und die Erschließung beliefen sich auf 771.000 Euro, weitere Positionen kamen hinzu. Der Verlust bis zur Auflösung der Genossenschaft betrug 2,2 Mio. Euro, die im Wesentlichen vom Steuerzahler getragen werden.

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