Gelebte Erinnerungskultur in Attendorn: Stolpersteine aufpoliert

„Geh denken“


Julius Zeppenfeld (rechts) war der jüngste „Mitputzer“. von Nicole Voss
Julius Zeppenfeld (rechts) war der jüngste „Mitputzer“. © Nicole Voss

Attendorn. „Geh denken“ ist Aufruf, Motto und Aufforderung, die ehemaligen jüdischen Mitbürger nicht zu vergessen, die in Attendorn ihren Lebensmittelpunkt, ihre Familien und Freunde hatten und von den Nazis in den Tod getrieben wurden. An vier Standorten wurden seit 2006 14 Stolpersteine verlegt, damit diese Menschen nicht vergessen werden. Die Stolpersteine gerieten am Freitag, 8. November wieder ins Visier einiger Attendorner Bürger, die mit ihrer Tatkraft mit dafür sorgten, dass die Namen lesbar bleiben.


Mit Wasser, biologisch abbaubarem Putzstein und Schwämmen befreiten die etwa zehn Anwesenden den leichten Schmutz von den Messingplatten. Das Datum der Aktion war nicht willkürlich gewählt. Es liegt stets um die Jahrestage der Novemberpogrome vom 9. und 10. November 1938.

Zu den „Mitputzern“ gehörten auch Bürgermeister Christian Pospischil und Julius Zeppenfeld. Der 18-Jährige war der Jüngste, der auf die „Knie ging“. Zum ersten Mal dabei, begründete Julius Zeppenfeld seine Motivation: „Ich habe in Geschichte eine Facharbeit über Zwangsarbeit in Attendorn geschrieben und beschäftige mich mit dem Thema Erinnerungskultur. Ich halte es für wichtig, aktiv gegen das Vergessen vorzugehen.“
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Gelebte Erinnerungskultur in Attendorn: Stolpersteine aufpoliert
Hartmut Hosenfeld erinnerte: „Es fing nicht an mit Gaskammern. Es fing an mit Intoleranz und Hassreden, mit der Aberkennung von Grundrechten, mit brennenden Häusern und Menschen, die einfach wegschauten.“ Hartmut Hosenfeld gab zu bedenken, dass der spätere Kreisleiter Fischer 1933 die NSDAP als stärkste Fraktion des neuen Kreistages bewertete.
Drei weitere Steine könnten verlegt werden
Bevor die Helfer von der ersten Station vor „Rossmann“ mit ihrem Reinigungs-Equipment zur nächsten Station gingen, zitierte Hartmut Hosenfeld aus dem jüdischen Talmud: „Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.“

Recherchen des Vereins „Jüdisch in Attendorn“, haben ergeben, dass es neben den 14 „bekannten“ jüdischen Bürgern drei weitere gab. „Wir können also noch drei Stolpersteine verlegen lassen“, so Hartmut Hosenfeld.
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