Die Erfolgsgeschichte von Angelo Anton-Julian

Zehn Jahre Werthmann Werkstatt, Abteilung eXtern


  • Attendorn, 30.04.2018
  • Von Barbara Sander-Graetz
    Profilfoto Barbara Sander-Graetz

    Barbara Sander-Graetz

    Redaktion

Emphatisch und aufgeschlossen steht Angelo den Bewohnern des Franziskaner-Hofes gegenüber. von Barbara Sander-Graetz
Emphatisch und aufgeschlossen steht Angelo den Bewohnern des Franziskaner-Hofes gegenüber. © Barbara Sander-Graetz

Attendorn. Angelo Anton-Julian ist stolz. Der 21-Jährige hat es geschafft. Er ist jetzt Betreuungsassistent. Seine Ausbildung hat er mit Bravour bestanden und sein Vertrag mit dem Franziskaner-Hof, der in Trägerschaft der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) ist, geht bis zum November 2019. Ermöglicht wurde ihm diese Arbeit mit Hilfe von Sina Neuhaus und Günter Rotthoff, Integrationsassistenten in den Werthmann Werkstätten, Abteilung eXtern, die ihn immer begleitet und unterstützt haben.


Nach seiner Schulausbildung kommt Angelo Anton-Julian  2015 in die berufliche Bildung der Werthmann-Werkstätten. Die Bundesagentur für Arbeit hat ihn hierher vermittelt. Im Rahmen des Eingangsverfahrens absolvierte er mehrere Praktika, um seine Stärken und Vorlieben zu finden. Er erprobte sich in der Schreinerei, dem Bereich Garten- und Landschaftspflege und Förderbereich.
Arbeiten "mit Menschen"
Doch der 21-Jährige möchte „mit Menschen“ im sozialen Bereich arbeiten. Die Integrationassistenten nahmen Kontakt mit dem Franziskaner-Hof auf und Angelo konnte ein Praktikum beginnen. Schnell wurde allen Beteiligten klar, dieser Arbeitsbereich ist der richtige für den jungen Attendorner mit Wurzeln in Sri Lanka. Aus einem einwöchigen Praktikum wird eine drei monatige Verlängerung.

Um zukünftig in diesem Bereich zu arbeiten, strebte Angelo schließlich eine Qualifizierung an. Er macht die Ausbildung zum Betreuungsassistent nach § 53 c (früher § 87 b) SGB XI. Zu seinen Aufgaben gehört die Alltagsbegleitung von demenziell veränderten Menschen.  Den praktischen Teil der Ausbildung absolviert er im Franziskaner-Hof. Die Theorie erlernte er bei IN VIA in Olpe.

Hier ist Integrationsassistentin Sina Neuhaus immer an seiner Seite. Angelo ist der erste männliche Teilnehmer im Qualifizierungskurs. Er lernt vieles über Demenz, die Strukturen in einem Seniorenheim, Kommunikation, Validation, Hygiene, Erste Hilfe und auch Rechtskunde. Alles Erlernte kann er im praktischen Teil umsetzten. Als Abschlussaufgabe gestaltet er für die männlichen Bewohner im Franziskanerhof einen „Männerstammtisch“.  Es gibt Hot Dogs, Würstchen, ein kühles Bier und viel zu erzählen.
 von Barbara Sander-Graetz
© Barbara Sander-Graetz
„Dieses Angebot ist so gut angekommen, dass wir es gern regelmäßig anbieten möchten“, ergänzt der Einrichtungsleiter des Franziskaner-Hofes, Thomas Ludwig. Auch Anja Neuhaus, Pädagogische Fachkraft vom sozialen Dienst des Franziskaner-Hofes, ist von Angelo Anton-Julian begeistert: „Er ist eine Bereicherung für das gesamte Team. Es ist angenehm mit ihm zu arbeiten.“

Thomas Ludwig ergänzt: „Er hat in der Zeit, die er bei uns ist, eine kontinuierliche Entwicklung seiner Persönlichkeit gemacht. Er ist den Bewohnern gegenüber sehr emphatisch und auch die non-verbale Kommunikation beherrscht er vorbildlich.“ 49 Bewohner, darunter sechs Wachkomapatienten der Phase F leben im Franziskaner-Hof, der im 13. Jahr im Herzen von Attendorn beheimatet ist.
Arbeit gibt Selbstbewusstsein
Angelo und die Integrationsassistenten freuen sich über so viel positives Feedback. „Die Arbeit hier macht mir viel Spaß und ich komme jeden Tag gern hierher“, strahlt Angelo Anton-Julian. „Irgendwann möchte ich auch eine eigene Wohnung haben und den Führerschein machen.“ Die Arbeit stärkt auch sein Selbstbewusstsein und lässt ihn neue Ziele ins Auge fassen.

Für Günter Rotthoff und Sina Neuhaus ist der 21-Jährige eine weitere Erfolgsgeschichte in der zehnjährigen Geschichte der Abteilung eXtern mit ihren betriebsintegrierten Arbeitsplätzen. 33 Menschen mit Behinderung haben hier derzeit ein Beschäftigungsverhältnis außerhalb der Werkstätten.  Der Arbeitgeber entrichtet dabei eine Dienstleistungspauschale an die Werkstatt, der wiederum den Beschäftigten einen Lohn bezahlt.

Die Menschen mit Behinderungen arbeiten zwar im Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarkts, sie bleiben aber weiterhin Beschäftigte der Werkstatt. Betriebsintegrierte Arbeitsplätze bieten ein hohes Maß an Inklusion und können sowohl unbefristet als auch befristet sein. „Für unsere Beschäftigten, die trotz ihrer Einschränkungen einen  betriebsintegrierten Arbeitsplatz haben, ist das eine enorme Steigerung des Selbstwertgefühls. Allein dafür lohnt sich die Mühe und der Aufwand“, so Günter Rotthoff.
Zehn Jahre Abteilung eXtern
Die Abteilung eXtern feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Diese Erfolgsgeschichte wird am Samstag., 23. Juni, mit der „Mittendrin-Inklusionsmesse der Werthmann Werkstätten“ in der Schützenhalle Dünschede gefeiert.

In der Zeit zwischen 10 und 14 Uhr hat jede Einrichtung, jeder Betrieb, der mit den Werthmann Werkstätten kooperiert und einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz für einen Beschäftigten bietet, die Möglichkeit, sich und den Beschäftigten live vorzustellen.

Hier können sich auch Firmen, die ebenfalls einen solchen Arbeitsplatz anbieten möchten, bei den Beteiligten informieren. „Wir möchten viele Türen zeigen und öffnen. Wir bieten somit eine Plattform zur Information, zum Zugang neuer beruflicher Alternativen für Beschäftigte, zu Vernetzung vieler Einrichtungen und Betriebe im Kreis Olpe“, erklärt Abteilungsleiter Dirk Schürmann.
Artikel teilen: