„Aufklärung über Missbrauch, aber bitte keine Anschuldigungen“

Leserbrief von Collegium Bernardinum-Mitarbeiterin


Symbolfotos Leserbrief von Grafik: Sophia Poggel
Symbolfotos Leserbrief © Grafik: Sophia Poggel

Attendorn. In der Diskussion um die angekündigte Schließung des Collegium Bernardinum in Attendorn meldet sich Ellen Möncks zu Wort. Die Attendornerin ist pädagogische Fachkraft am Collegium und will den Leserbrief von Josef Schröder (LokalPlus berichtete) nicht unkommentiert lassen. Sie schreibt:


„Herr Schröder stellt Spekulationen auf, dass das Collegium Bernardinum (CB) geschlossen wird, weil es angeblich Missbrauchsfälle gegeben haben soll. Ich arbeite seit sieben Jahren im CB unter der Leitung von Präses Lütkevedder, der zu allen wichtigen Anlässen die Notwendigkeit der Transparenz bei möglichem Missbrauch an oberste Stelle gestellt hat.

Im Haus wird Gemeinschaft gelebt

Ich finde es mehr als unpassend, zu einem Zeitpunkt, wo Kinder, Eltern und Mitarbeitende darauf hoffen, dass das pädagogische Konzept des CB doch noch weitergeführt werden kann, solche Anschuldigungen ins Feld zu führen. Seit der Veröffentlichung des genannten Leserbriefs muss ich mir täglich die Frage gefallen lassen: „Ist denn bei euch was vorgefallen?“

In unserem Haus werden Gemeinschaft, Toleranz und Respekt gelebt. Ich durfte erleben, wie junge Menschen hier mit unserer Hilfe langsam Fuß gefasst haben und sich ein eigenständiges Leben aufbauen konnten. Junge Erwachsene, die dem Staat nicht zur Last fallen, sondern unsere Gesellschaft unterstützen und bereichern. Und dies ohne die Liebe der Familien, ohne Bekannte, die hilfreich gewesen wären und ohne die fremde Sprache zu können.

Kinder werden aufgefangen

Aber dafür den Krieg „ im Nacken“. Ich werde nie die erleichterten Gesichter vergessen, wenn sie bei den Telefonaten mit Zuhause erfahren haben, dass noch alle Familienmitglieder am Leben sind (was nicht immer der Fall war).

In dem Geist, der heute im CB weht, werden Kinder aufgefangen, die mit Trauer zu kämpfen haben, Mobbingopfer sind, Probleme in der Schule haben, aber auch Kinder, deren Eltern einfach eine sichere und gute Betreuung wünschen, und Kinder, die sich in der Schule verbessern möchten, obwohl es teilweise noch besser nicht geht.

Leserbrief versetzt Dolchstoß

Dieser wirklich besonderen Gemeinschaft versetzen solche Leserbriefe wie der von Herrn Schröder einen Dolchstoß. Ja, Missbräuche jeglicher Art sind mit das Schlimmste, was der Seele eines Menschen angetan werden kann, und die Täter müssen öffentlich benannt und bestraft werden. Das steht außer Frage.

Das Zauberwort heißt aber: Aufklärung und nicht Anschuldigung. Anschuldigungen schon gar nicht den Mitarbeitenden gegenüber, die nichts mit dem übelsten Kapitel der Kirchengeschichte zu tun haben und die täglich weit über ihre Arbeitszeit hinaus für Kinder da sind, denen sie ein gutes Leben ermöglichen möchten.“

Hinweis zu Leserbriefen

Wir freuen uns über jeden Leserbrief. Allerdings behalten wir uns Kürzungen vor. Wir weisen darauf hin, dass Leserbriefe ausschließlich die Meinung des Autors wiedergeben. Das Presserecht schreibt vor, dass Leserbriefe nur veröffentlicht werden dürfen, wenn Name, Adresse und Kontaktdaten des Autors der Redaktion bekannt sind.

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