10 Tage, 260 Kilometer, prägende Momente: Steffens Reise auf dem Jakobsweg
„Ich wusste nicht, was mich erwartet“
- Attendorn, 20.08.2026
- Verschiedenes
- Von Jana Becker
Attendorn. Von Porto bis nach Santiago de Compostela – diese 260 Kilometer lange Strecke des Jakobswegs hat der 30-jährige Steffen Hunold aus Attendorn bereist. Obwohl er alleine gestartet ist, blieb das nicht lange so. Warum das so war und welche unvergesslichen Momente er auf seinem Weg erlebt hat, erzählt Steffen Hunold im Gespräch mit LokalPlus.

„Das mache ich auch irgendwann!“ Dieser Gedanke kommt dem Attendorner vor Jahren, als er den Film ‚Ich bin dann mal weg‘ von Hape Kerkeling sieht. Die gleichnamige Buchvorlage gilt als eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Sachbücher. Es erzählt die Geschichte von Hape Kerkelings Reise auf dem Jakobsweg, die damals viele – auch Steffen – inspiriert.
Jahre später setzt Steffen Hunold seine Pläne in die Tat um und bucht ein Flugticket nach Portugal, um einen Teil des Jakobsweges selbst zu gehen. Intensiv vorbereitet hat sich der Attendorner dafür nicht. „Ich habe mir Videos angeschaut, um mich zu informieren, und bin dann einfach los gegangen, ohne zu wissen, was mich erwartet“, erzählt er.




Seine Route startet in Porto und führt ihn an der Küste entlang bis nach Vila do Conde. Dort wechselt er auf den „Central Weg“ und läuft nach Santiago de Compostela mit Stopps in Barcelos, Vitorino dos Piães, Ponte de Lima, Valença, O Porriño, Cesantes, Pontevedra, Caldas de Reis, A Escravitude.
Die Hostels entlang der Strecke, in denen er schläft, bucht er kurz vor der Ankunft. Nur wenige Stopps vor Santiago habe er das etwas früher gemacht, weil die Unterkünfte kurz vor dem Ziel häufig ausgebucht seien, erzählt er.
Gestartet ist Steffen ganz allein. „Das war sehr aufregend, weil ich vorher so etwas noch nie gemacht habe“, gesteht der 30-Jährige. Welche Menschen trifft man? Was ist, wenn es Probleme gibt oder man sich verletzt? All das habe ihn umtrieben, letztlich umsonst, denn: „Es war überragend“, lautet sein Fazit. Und allein sei er nur die ersten Tage gewesen. „Da bin ich ganz selten auf andere Pilger getroffen, das hat mich etwas verwundert.“

Doch ab dem fünften und sechsten Tag mit Ankunft in Valença habe er plötzlich ganz viele Menschen getroffen, kennengelernt und auch unterwegs immer wieder gesehen, erzählt Steffen. Und mit diesen fremden Menschen erlebt der 30-Jährige eine unvergessliche Reise.
Er berichtet von einem malerischen Sonnenuntergang in Valença, tiefgründigen Gesprächen beim Abendessen mit zwei Amerikanerinnen und einem Engländer. Die Begegnung mit einer Ukrainerin, die ihm von ihrem Leben erzählt und dass sie vor dem Krieg geflohen sei. Und der freudigen Überraschung, als die beiden sich zufällig in Santiago de Compostela wieder treffen.
Einmal trifft er mitten im Wald einen Mann, der auf einer kleinen Lichtung Klavier spielt. Mehrere Pilger haben sich um ihn versammelt, um die Musik und die Sonnenstrahlen, die immer wieder zwischen den Blättern hindurchscheinen, zu genießen. „Das war ein Moment, der mich kurz ausgebremst und nachdenklich gemacht hat“, erinnert sich der Attendorner.
„Ich war traurig, dass die Reise bzw. der Weg zu Ende ist”
Und als er nach zehn Tagen sein Ziel erreicht, kann Steffen Hunold sich gar nicht wirklich freuen. Es sei komisch gewesen, auf dem Platz zu stehen und die große Kathedrale vor sich zu sehen. Umgeben von anderen Pilgern, die jubeln, sich freuen und teilweise auch weinen. „Ich war traurig, dass die Reise bzw. der Weg zu Ende ist“, gesteht er.

Das ändert sich, als Steffen seine Urkunde in der Hand hält: „Da war ich schon sehr stolz und auch glücklich, die Reise durchgezogen zu haben!“
Gemeinsam mit den Menschen, die er auf dem Weg kennenglernt hat, geht Steffen Hunold am Abend seiner Ankunft am Zielort essen. Eine weitere Erinnerung, die sich eingeprägt hat. „Dann saßen wir da als Deutsche, Amerikaner, Italiener, Tschechen, Franzosen, Niederländer, Dänen und Schweden zusammen und haben zusammen gelacht, gefeiert und getrunken.“
„Ich werde es definitiv nochmal machen!“ ist Steffen sich sicher. Wann, weiß er noch nicht. Über das Wie hat er sich jedoch schon Gedanken gemacht: „Vielleicht gehe ich dann an der Küste entlang, nach Santiago noch Richtung Fisterra und Muxia. Oder ich starte in Frankreich, dann brauche ich aber mehr Zeit.“
